Borderline – SocialVideo

Im Video bekommst du einen schnellen Überblick über die Borderline Persönlichkeitsstörung.

Quellen

(zuletzt aufgerufen am 1.10.19)

Das Video wurde zusammen mit einem Psychologen und anhand von Fachliteratur erstellt.

Dennoch gilt: Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte bzw. Psychologen angesehen werden. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Ergänzend haben wir einige Beiträge aus dem Netz zusammengestellt und genutzt, die dir einen vertiefenden, gut erklärten Einblick in die Gesundheitsproblematik geben.

https://grenzwandler.org

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/borderline-stoerung/was-ist-eine-borderline-persoenlichkeitsstoerung-bps/

http://grenzgaenger-shg.de/was-ist-borderline/

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/borderline-gefuehlsleben-wie-ein-wilder-araberhengst-a-1173464.html

https://www.mylife.de/krankheit-behandlung/borderline-freundschaft-am-limit-21631

Transkript

Borderline ist eine der häufigsten Persönlichkeitsstörungen. In diesem Video erfährst du: Was ist Borderline? Woran erkennst du Borderline? Was kannst du als Angehöriger, Freund oder Sozialprofi tun? Über

Leben mit Borderline ist ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt

An einem Abend willst du die ganze Welt umarmen und du tanzt dir die Seele aus dem Leib. Doch am nächsten Tag bist du so niedergeschlagen, dass du kaum aus Bett kommst.

Deine sozialen Antennen sind hochempfindlich, du spürst genau, was mit anderen los ist – so stark, dass du dich schützen und zurückziehen willst und dich selbst bei guten Freunden lange nicht meldest.

Dabei sehnst du dich nach einer vollkommenen Beziehung! Eine Trennung von deinem geliebten Partner, auch wenn sie vorübergehend ist wie etwa eine Dienstreise, fühlt sich schlimm an.

Deine Gefühle schwanken extrem und sind manchmal so stark, dass du unglaublich angespannt bist.

Vielleicht hast du auch schon einmal versucht, dich selbst zu verletzen, um diese Anspannung zu lindern.

Das sind einige der vielen Gesichter der Borderline Persönlichkeitsstörung.

Was ist Borderline?

Borderline kommt aus dem Englischen und heißt „Grenze“.

Lange Zeit ging man davon aus, dass Borderline eine Persönlichkeits-Störung zwischen Psychose und Neurose ist, an der Grenze sozusagen.

Diese Vorstellung ist veraltet.

Heute weiß man, dass schwere Störungen der Gefühlsregulation eine zentrale Rolle spielen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Borderline-Persönlichkeitsstörung deshalb heute als eine Unterform der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung ein.

Kurz ein paar Fakten:

Borderline ist die häufigste der Persönlichkeitsstörungen.

Sie ist 4 mal weiter verbreitet als z.B. Schizophrenie.

 Geschätzt 3% der Bevölkerung in Deutschland ist davon betroffen.

Trotz der Häufigkeit ist Borderline keine Persönlichkeitsstörung, die sich auf den ersten Blick erkennen lässt. Das liegt auch daran, weil Borderline oft gemeinsam mit anderen Persönlichkeitsstörungen und Gesundheitsproblematiken auftritt – in der Fachsprache nennt man das Komorbität.

Eine genaue Diagnose stellt ein Psychologe mit Vorsicht – auch weil es sich bei Borderline um eine Lebenszeitdiagnose handelt, d.h. man behält diese Diagnose ein ganzes Leben lang bei.

Dazu kommt, dass Boderline häufig zusammen mit weiteren Gesundheitsproblematiken auftritt.

Ohne auch da in die Tiefe zu gehen: hier eine kurze Übersicht der Gesundheitsproblematiken, die häufig gemeinsam mit Borderline auftreten.

Angstneurosen/Phobien
Substanzmissbrauch
Depressionen
Essstörungen
AD(H)S Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Posttraumatische Belastungsstörung
 Zwangsstörungen  

Es ist nicht einfach, die unterschiedlichen Persönlichkeitsstörungen und Gesundheitsproblematiken auseinanderzuhalten.

Das kann nur ein Psychologe.

Der Psychologe entscheidet, ob eine Erkrankung vorliegt – und wenn ja, welche.

Wie geht ein Psychologe dabei vor?

Der Psychologe nutzt für seine Diagnose einen Katalog, in dem aufgeschrieben ist, welche Kriterien auf eine Krankheit hinweisen.

Für Borderline wurden neun typische Haupt-Merkmale festgelegt:

  • Das verzweifelte Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassen werden zu vermeiden.
  • Instabile, aber intensive zwischenmenschliche Beziehungen, die durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet sind.
  • Der Betroffene hat Schwierigkeit zu beschreiben, wer und wie er oder sie in Wirklichkeit ist.
  • Es finden potenziell selbstschädigende, häufig impulsive Handlungen statt, wie z.B.: übermäßiges Geldausgeben, häufig wechselnde sexuelle Kontakte, Drogenmißbrauch, Diebstahl, rücksichtsloses Fahren & Eßstörungen.
  • Der Betroffene neigt zu suizidalen Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen und Selbstverletzungsverhalten.
  • Stark wechselhafte Stimmung.  
  • Der Betroffene hat ein chronisches Gefühl von Leere.
  • Es kommt zu unangemessener, heftiger Wut oder es ist für den Betroffenen schwer, Wut oder Ärger zu kontrollieren.
  • Der Betroffene hat vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen wie etwa „Alle haben etwas gegen mich!“ oder „Alle wollen nur das es mir schlecht geht!“.

Ist es also Borderline?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten.

Denn die neun Hauptmerkmale beschreiben menschliche Verhaltensmuster, die wir alle in irgendeiner Form kennen.

Erst in einer übersteigerten Form deuten sie auf eine Störung hin.

Außerdem können in Lebenskrisen, wie Arbeitsplatzverlust oder dem Tod eines nahen Menschen, bestimmte Verhaltensmuster auftreten – ohne dass damit gleich eine Persönlichkeitsstörung vorliegt.  

Für eine Persönlichkeitsstörung spricht:

  • Die Probleme sind beständig.
  • Es gibt einen Leidensdruck wegen der Probleme.
  • Die Probleme wirken sich auf alle Lebensbereiche aus.
  • Die Probleme übersteigen die übliche Norm bei weitem.

Wenn diese Kriterien nicht zutreffen, liegt wahrscheinlich keine Persönlichkeitsstörung – und somit auch keine Borderline-Störung vor.

Wenn eine Borderline Persönlichkeitsstörung vorliegt – dann ist oft die Frage: Wie ist sie entstanden?

Die Ursachen werden seit Jahren diskutiert. Die Erklärungen reichen von frühkindlichen Bindungsstörungen (z.B. Vernachlässigung durch die Eltern) über körperliche und seelische Verletzungen bis hin zur sogenannten neuronalen Bahnung. Das heißt, in bestimmten Hirnregionen besteht in Stress– oder Angstsituationen eine höhere Aktivität.

Wie gehen Betroffene mit der Störung um?

Viele Borderliner entwickeln Abwehrmechanismen, um mit der Problematik umzugehen. Eine Persönlichkeitsstörung möchte man so gut es geht vor seinen Mitmenschen und vor sich selbst verbergen.

Unter Abwehrmechanismen versteht man Handlungsmuster, mit denen Betroffene versuchen,  den Symptomen der Störung entgegenzuwirken.

Ein besonderes Augenmerk verdient das selbstverletzende Verhalten, das Borderliner häufig zur Regulation von großer Anspannung einsetzen und das vielfach missverstanden wird.   

Selbstverletzungen werden grundsätzlich eingesetzt, um starke Emotionen kurzfristig zu mildern. Dies ist mittlerweile wissenschaftlich gesichert.

Der Schnitt oder das Verbrennen wirken dann, als ob man die „Neustart“-Taste des Computers drückt oder ein Ventil öffnet: Der Körper wird wieder „hochgefahren“, der Kopf wieder klar, der Druck ist verschwunden.

80%  der Betroffenen greifen auf eine Form von selbstschädigendem Verhalten zurück

60-75% Unternehmen einen oder wiederholte Suizidversuche

Die Suizidrate beträgt zwischen 5 und 10%

Diese Zahlen zeigen wie wichtig es ist, dass die Persönlichkeitsstörung von einem Psychologen erkannt wird.

Denn eine Therapie bietet gute Heilungschancen.

Die Therapie kann in Einzel- oder Gruppensitzungen erfolgen, es gibt verhaltenstherapeutische Ansätze, manchmal sind eine tiefenanalytisch fundierte Psychotherapie oder eine Psychoanalyse notwendig. Und die Zeit spielt eine wichtige Rolle. Denn die meisten Probleme treten in der Pubertät auf, wenn die innere Verunsicherung am größten ist. Insgesamt hat die Krankheit eine gute Prognose, viele Betroffene führen sogar ein besonders intensives Leben.

Oft wird die Frage gestellt: Gibt es Medikament gegen Borderline?

Nein, es gibt keine Pille gegen Borderline!

Eine Behandlung mit Medikamenten kommt nur in Betracht:

  • Zur Krisenintervention zur Behandlung akuter An­spannungszustände oder Erregungszustände
  • Zur Behandlung komorbider Erkrankungen: z.B Antidepressiva, wenn neben der Borderline Störung auch eine Depression vorliegt.
  • Zur Behandlung spezifischer Symptome:  z.B. Stimmungsstabilisierer bei starken Stimmungsschwankungen.

Entscheiden sollte immer ein Facharzt, welches Medikament das Mittel der Wahl ist.

Wie kann ich unterstützen?

Bestimmte Verhaltensweisen bringen dich beim Umgang mit Borderline nicht weiter. Dazu gehören:

OFF

  • Vorurteile bedienen: Borderline ist eine vielschichtige Per­sönlich­keits­störung und nicht unbedingt ein Hinweis auf eine Problemfamilie.

Das ist vor allem für die Familie sehr wichtig. Es gibt keinen zwingenden Bezug zu einer gewalttätigen Familie, die sex­uellen Missbrauch durch­geführt oder zugelassen hat. Auch ganz „normale und für­sorg­liche” Familien können betroffen sein.

  • Denken, das Problem alleine lösen zu können: viele Familien versuchen das Problem selbst zu lösen, auch wegen des Stigmata ‚Mißbrauch’ und ‚Problemfamilie’, das gesellschaftlich immer noch mit der Diagnose verbunden ist.
  • Versuchen, den Betroffenen alles Recht zu machen aus Angst vor dem nächsten Wutausbruch und
  • Grenzen ständig weiter verschieben: Oft unternehmen Eltern den unmöglichen Versuch, es ihren kranken Kindern recht zu machen – oft auch aus Angst vor den nächsten Ausrastern. Sie opfern sich dann auf und verschieben die Grenzen immer weiter. Dabei ist es für die Kranken besonders wichtig, dass sie sich auf eine einmal getroffene Ansage verlassen können.
  • Denken man könnte den Therapeuten ersetzen
  • Sich mit auf die emotionale Achterbahnfahrt begeben
  • Warnsignale ignorieren, die auf die eigene Überforderungen, beginnenden Burnout oder Depression hindeuten Durch die Vielschichtigkeit der Boderline Erkrankung sind auch die Angehörigen und das komplette soziale Umfeld stark betroffen. Sie leiden häufig unter Burnout-Symptomen, Depressionen, Selbstvorwürfen oder starker psychischer Belastung. Angehörige sind ohne Hilfe von außen, ohne z.B. die Hilfe einer Selbsthilfegruppe, fast immer überfordert.

Folgende Verhaltensweisen dagegen können Sozialprofis und Angehörige anwenden, um Betroffene zu unterstützen und sich nicht selbst zu gefährden.

ON

  • Sich informieren, um die Erkrankung zu verstehen und danach Kollegen und Angehörige beraten
  • Verlässliche, tragfähige Teilnahme anbieten
  • Lernen, sich selbst zu schützen und abzugrenzen, z.B. in Kursen
  • Sich als Unterstützer oder Angehöriger Hilfe holen (z.B. Selbsthilfegruppe)
  • Klare Grenzen setzen
  • Eine Therapie ermöglichen / organisieren

Bei aller Komplexität des Störungsbildes sollten wir nicht vergessen:

Ganz häufig sind Borderliner ausgesprochen sensible Menschen, deren emotionales System in allen Bereichen deutlich intensiver arbeitet. Die Gefühle werden leicht ausgelöst, sind extrem stark und halten lange an. Diese Zustände intensiver Anspannung sind oft schwer auszuhalten. Auch die sozialen Antennen sind ständig auf Hochtouren, sie können nicht anders, als immer mitzuschwingen, alles aufzusaugen – auch viele Falschheiten zu spüren.

Eine von Borderline betroffene Person hat es mal so ausgedrückt:

Manchmal hat man einfach das Gefühl, dass alles so schlimm wird, dass man keinen anderen Weg mehr sieht, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Deswegen glaubt man, dass man sterben möchte, weil man denkt, dass es der einzige Ausweg ist. Aber was du eigentlich wirklich willst, ist, dass jemand voll und ganz für dich da ist und neben dir sitzt und versteht und weiß, dass diese Episode vergehen wird und du dich irgendwann wieder besser fühlen wirst.

Viele Borderliner können sich überaus gut in andere hineinversetzen. Manche sind ausgezeichnete Pädagoginnen und Therapeuten. Wer es als Betroffener schafft, sich abzugrenzen und seine starken Gefühle zu akzeptieren, kann sich einer hohen Lebensintensität hingeben, einem starken Lustempfinden und großer Liebesfähigkeit.

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